Zurück

   
Jesus Christus,
gemalt nach dem Original des Klosters Hl. Katharina Siani,
Ägypten, 6. Jahrhundert,
Enkaustik-Technik.
Bestandteil des Ikonostas NR.19 in der Übersicht
Die Anfänge der eigentlichen Ikonenmalerei entwickelten sich im 4. Jahrhundert in Konstantinopel unter Kaiser Konstantin I. Er trat 313 n. Chr. zum christlichen Glauben über und proklamierte das Christentum zur Staatsreligion. Mit der Verbreitung des Christentums fand auch die Ikonenmalerei Einzug in alle Religionen des byzantinischen Reiches. Ikonen hatten nicht nur im kirchlichen Leben ihren Platz, sondern man bediente sich ihrer auch im alltäglichen Leben als Kultbild für Fürbitten. Sie waren ein gemaltes Evangelium. Die Blütezeit der Ikonenmalerei wurde 725 jäh unterbrochen durch ein Verbot der byzantinischen Kaiser Leo III. und Konstantin V. Die Auseinandersetzungen um die Ikonen gingen in die Geschichte ein als der „Bilderstreit". Man lehnte sich eng an das Bibelwort an „Du sollst Dir kein Bildnis machen von Gott...". Mit brutalster Gewalt wurden alle Ikonen von der Staatsmacht vernichtet. Ikonenbesitz oder Malerei wurden unter härteste Strafe gestellt. Das Mönchstum, das die Ikonen verteidigte, wurde weitgehend ausgelöscht. Viele Mönche flohen aber auch nach Griechenland, Italien und Rußland und gründeten neue Ikonenzentren. Erst im Jahre 843, also über 100 Jahre später, fand der Bilderstreit durch die Beschlüsse der Heiligen Synode von Konstantinopel ein Ende, und zwar zugunsten der Ikonenmalerei. Diese 100 Jahre hatten aber die fast völlige Vernichtung der Ikonen zur Folge. Im Zuge der Christianisierung Rußlands gründete sich nach der Taufe des Großfürsten Wladimir in seiner Hauptstadt Kiew ein neues Zentrum der Ikonenmalerei. Weitere Zentren waren später Nowgorod und Moskau. In zahlreichen Ikonenmalschulen wurden angelehnt an den byzantinischen Urstil eigene Stile hervorgebracht und entwickelt. Die russische Revolution von 1917 bereitete der Ikonenmalkunst ein Ende. 70 Jahre Kommunismus haben dieser Kunst sehr geschadet, aber sie ist nicht ausgestorben. Heute erleben die Ikonenmalschulen zumeist in den geistlichen Akademien ihre Renaissance.