Zurück
Unsere Holzkirche ist der Nachbau der Christi-Verklärungskirche aus dem russischen Freilichtmuseum in Suzdal. Dieses Museum habe ich 1992 besucht. Unter den zahlreichen Holzhäusern, Mühlen und Holzkirchen in Rußland hat mir diese Kirche besonders gefallen. Sie hat mich fasziniert, seitdem ich sie gesehen hatte. Nachdem ich wenig später den Entschluß gefaßt habe, die Kirche nachzubauen, kam mir die Tatsache sehr zugute, daß es detaillierte Bauzeichnungen gab, die vor dem Umsetzen angefertigt wurden. Die Holzkirche des Hl. Nikolaus ist nicht nur ein schönes Gotteshaus, sie ist auch ein hervorragendes Beispiel russischer Holzbaukunst. Die Krönung im Schaffen eines jeden Holzhandwerkers war kaum der Profanbau einer Mühle - so romantisch und schön uns die Mühlen heute auch erscheinen -, die Krönung war auf jeden Fall eine Kirche, in der alle Raffinessen der Handwerkskunst Anwendung finden konnten.
Der Bau der Kirche gab uns etliche Rätsel auf, weil die Baumeister der Vergangenheit viele Geheimnisse und Kniffe der Holzbaukunst mit ins Grab genommen haben. Um sich die alten Holzbautechniken und Holzverbindungen neu zu erarbeiten, fertigten wir erstmal ein Modell im Maßstab 1:10 an. Eine weitere Schwierigkeit stellt die Tatsache dar, daß es niemanden gab, der Erfahrungen mit so einem Projekt hatte: weder der einzige Zimmermann, der uns als Profi mit seiner 20jährigen Berufspraxis zur Verfügung stand, die im Mühlenbau versierten Museumsmitarbeiter, noch ich selbst als Bauherr. Obwohl wir in der heutigen Zeit über moderne Holzbearbeitungsmaschinen, über Kräne und andere technische Hilfsmittel verfügen, stellte der Bau der Kirche für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar und bereitete uns viel Kopfzerbrechen. Wenn man sich vor Augen hält, daß die alten Kirchenbauer, die ja zum größten Teil Bauern waren, mit ihren Händen, geringen Mitteln und einfachen Werkzeugen einen so prachtvollen Bau errichten konnten, dann gebührt ihnen allergrößte Hochachtung. Ich habe immer wieder zu mir und meinen Mitarbeitern gesagt: „Es ist doch erstaunlich, was man aus Liebe und Ehrfurcht zu Gott leisten kann." Die Stufenkirche besitzt 8 zum Teil vergoldete Kuppeln. Der Baukörper besteht aus mächtigen Balken mit einem Querschnitt von bis zu 40x30 cm. Die längsten Balken messen 12 m. Insgesamt sind über 400 Kubikmeter bestes Lärchenholz verbaut worden. Die Grundfläche ist kreuzförmig. Mit einer Längenausdehnung von knapp 17 m und einer Breite von 12.60 m ist die Grundfläche viel kleiner, als die imposante Wirkung des Baukörpers vermuten läßt. Die Kirche ist 27 m hoch und innen bis zur Spitze offen. Dadurch glaubt man, in einer Kathedrale zu sein und nicht in einer kleinen Dorfkirche.
Grundsteinlegung: 25.03. 1994
Richtfest und Weihe der Kuppelkreuze: 16.03. 1995
Fertigstellung und Ikonenweihe durch den Patriarchen: 24.11. 1995
Einweihungsgottesdienst: 29.06. 1996